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Wildnistrekking in Ostgrönland im Juli 2019

 

Getreu nach einem Zitat von Goethe  „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“, suchte ich nach einer Reise um Grönland  zu „erleben“ und nicht nur vom Kreuzfahrtschiff aus zu „betrachten“.

Bei Wikinger Reisen wurde ich fündig - eine Trekkingreise im kaum besiedelten Ostgrönland.

 

 

An der ca. 2.600 km langen Ostküste Grönlands leben heute etwa 3500 Menschen, davon rund 2000 in Tasiilaq. Da der Polarstrom riesige Eismassen an die Ostküste bringt, war die Küste lange unzugänglich. Erst 1884 landete Gustav Holm mit einer Expedition aus Westgrönland, im heutigen Tasiilaq an. Zu der Zeit lebten hier vollkommen isoliert nur noch rund 400 Inuit, im Sommer in Zelten, im Winter in Erdhäusern. Sie lebten ausschließlich vom Jagen und Fischen. Von den Tieren wurde alles für das Überleben verwertet. Landwirtschaft ist hier nicht möglich.

 

in einem Erdhaus lebten mehrere Familien (Hier Museumshaus in Tasiilaq)

 

Zehn Jahre später gründeten die Dänen hier eine Handels- und Missions-Station.

Die Bevölkerungszahl war mittlerweile wegen Unterernährung und Krankheit auf 294 gesunken. Durch die bessere Versorgung sank die Sterblichkeitsrate und die Bevölkerung wuchs wieder an.

Der Hafen mit Lagerhalle wurde errichtet und nach und nach entstanden eine Schule, ein Kindergarten, ein kleines Krankenhaus, Polizei, ein Postamt, 2 Supermärkte, einen Sportplatz und sogar so etwas wie eine Disco.

Von Anfang Juni bis etwa Ende Oktober kommen einige Versorgungsschiffe mit den „Zivilisations-Gütern“. Die Vorräte  für die restlichen 7 Monate werden in der großen Halle am Hafen gelagert. Gegen Ende der ‚Winterpause‘ können einige Güter mal knapp werden oder ausverkauft sein.

 

 

Es gibt Autos und Straßen (teils asphaltiert), welche aber alle an der Ortsgrenze enden. Im Hafen befindet sich ein Treibstoff-Depot mit Tankstelle.

Den Strom liefert ein Wasserkraftwerk nördlich des Ortes.

 

 

Von außerhalb ist der Ort nur per Hubschrauber oder per Boot zu erreichen.

Im Winter sind die kräftigen, reinrassigen grönländischen Schlittenhunde unverzichtbar für Transport und Jagd.

 

das "Sommerlager" der Schlittenhunde 

 

Der gut gemeinte „Anschluss an die moderne Welt“ funktioniert teilweise, führt aber auch zu Konflikten. Die alte Kultur und Lebensweise gehen langsam unter. Es wird zwar noch gejagt (Robben, Eisbären, Wale, Schneehühner und Meeresvögel), aber es ist nicht mehr für jeden möglich damit seine Familie zu ernähren.

Gefischt werden Kabeljau, Heilbutt, Forelle, Lachs, Schellfisch, Hai und Meeresskorpion.

 

Da es, außer im Tourismus, keine Arbeitsmöglichkeiten gibt, liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 95%. Perspektivlosigkeit  und Verlust des Selbstwertgefühls führen zu einer sehr hohen Selbstmordrate. 

Der heute 75-jährige, frühere Extremsportler Robert Peroni hat hier vor 40 Jahren das „rote Haus“ gegründet. Zunächst diente es als Anlaufstation für die Inuit. Sie fanden hier ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Unterstützung bei Problemen mit der „Zivilisation“.

Peroni hat dann nach und nach das Haus als Hotel und Basisstation für Wander- und Kajak-Touristen ausgebaut und damit den Grundstein für einen ‚sanften‘ Tourismus gelegt.  Von hier aus wird alles organisiert (Bootstransfers, Trekking-Versorgung usw.), somit bietet er  75 ausschließlich Einheimischen einen Arbeitsplatz.

 

 

Mittlerweile gibt es noch weitere, auch private Unterkünfte.

 

Genug der Vorworte, jetzt eine kurze Beschreibung der Reise.

 

Die Anreise erfolgt zunächst nach Keflavik, dem internationalen Flughafen von Reykjavik. Nach einer Übernachtung auf dem Campingplatz geht es zum stadtnahen kleinen Flughafen. Von hier aus startet eine Propellermaschine nach Kulusuk, ein Flughafen ohne Instrumentenlandesystem. Wir hatten Glück, das Wetter passte und es ging planmäßig los.

 

Anflug auf Kulusuk 

Mit unserem Gepäck begaben wir uns zum Hafen für den Bootstransfer nach Tasiilaq.

Da die Boote erst in 2 Stunden erwartet wurden, machten wir noch einen Spaziergang durch Kulusuk.

 

Dann ging es in offenen Booten aufs Polarmeer, vorbei an den ersten imposanten Eisbergen, Richtung Tasiilaq.

 

 

Dort angekommen  wurde das Gepäck entladen und zum Zeltplatz des „roten Haus““ transportiert. Hier bekamen wir die Zelte, Kocher, Töpfe, Wasserkessel,  Gasflaschen  und Verpflegungsboxen zunächst für die nächsten 2 Tage.

Trinkwasser wurde aus einem Wassercontainer geholt.

Es war genügend Platz zum Aufbau unserer Zelte, so konnten wir uns locker verteilen (Eisbärgefahr bestand hier noch nicht).

 

ein Headnet zum Schutz vor den kleinen schwarzen Mücken war zwingend notwendig sobald es windstill war.  

 

Abends wurden die Pläne für die Zubereitung des Frühstücks und des Abendessens (jeweils 3 Leute) und für die Eisbärwachen später in der Wildnis (nachts alle 2 Stunden jeweils 2 Leute), erstellt. 

In der Nacht wurde in der Bucht vor dem Hügel ein Wal angelandet. Der Fischer verarbeitet in  den ersten 24 Stunden den Fang, Was danach übrig bleibt steht jedem aus dem Dorf zur Verfügung.

 

 

Am nächsten Tag unternahmen wir eine erste „Testwanderung“ in die Umgebung von Tasiilaq.

 

Guide Dirk immer bewaffnet, falls eine kritische Eisbär-Begegnung auftritt

 

Am 3. Tag ging es dann los, Start zum 8-tägigen Trekking.

Neue Gasflaschen und Boxen mit der Verpflegung für die nächsten 8 Tage.

(Kaffee, Tee, Vollkornbrot, Wurst, Käse, Marmelade, Honig usw fürs Frühstück, Trockengemüse, Püree, Polenta, Nudeln und Reis für das Abendessen)

 

Mit den Booten erreichten wir nach ca. 2-stündiger Fahrt durch die Eisberge Richtung Norden, unseren ersten Lagerplatz in der Nähe des Jägerdorfes Tiniteqilaaq.

 

Das Trinkwasser musste ab jetzt von mehr oder weniger nah gelegenen Bächen

herbeigeholt werden.

Für die Ausscheidungen wurde abseits der Zelte ein Loch gegraben und vor dem Verlassen des Platzes wieder zugeschüttet und mit Steinen bedeckt. Das benutzte Papier wurde immer sofort verbrannt.

Die Boote transportierten unser gesamtes Equipment  jeweils zum nächsten Etappenziel  (vorausgesetzt die Eislage ließ es zu). Täglich um 18:00 Uhr telefonierte unser Guide Dirk über Satelitentelefon mit Robert, der Info’s von Jägern und Fischern erhielt wegen der Eislage im Fjord und wegen eventueller Eisbärsichtungen in unserer Nähe.

 

 

Die Trekkingstrecke führte uns durch  komplett wegloses Gelände, teils über und zwischen steilen Felsmassiven mit unterschiedlichen Steinformationen, teils durch blühende Täler mit einigen Flussquerungen.

Der hochgefrorene weiche Boden in den Tälern hatte beim Gehen so etwas von einem Wasserbett.

 

Von unserem 1. Lagerplatz aus wanderten wir nach einem kurzen Rundgang durch das 120-Seelen- Dorf, oberhalb des Sermilik-Fjords.

 

 

Am nächsten Tag war dann Schluss mit bewohnten Siedlungen. Start in die

absolute Wildnis. Tagesetappen von 7 bis 10 Stunden Gehzeit führten uns zu unseren Etappenzielen durch wilde Landschaften mit traumhaften Ausblicken.

 

Dort angekommen wurden die Zelte in einem Abstand von mindestens 40 Metern zu den Essensvorräten und dem Kochplatz aufgestellt. Ab jetzt immer eng beieinander, da noch rings um die Zelte ein Alarm-Zaun aufgebaut werden musste. Keinerlei Nahrungsmittel und Körperpflegeartikel durften mit in das Zelt genommen werden. 

Ab jetzt begannen auch die Eisbärwachen.

 

Einmal mussten wir an einem Lagerplatz wegen der Eislage einen zusätzlichen Tag einlegen, weil die Boote den Fjord nicht passieren konnten um unser Equipment weiter zu transportieren. Ausgerechnet hier war kein Fluss für Trinkwasser in der Nähe, aber wozu gibt es Eisberge. Zum Frühstück herrschte Flut. Felix erklärte sich bereit in das kalte Fjordwasser zu steigen um 2 Töpfe Eis von einer Eisscholle zu „ernten“. Nachmittags bei Ebbe konnte die Eisscholle dann trockenen Fußes bearbeitet werden. Da wir ja an diesem Tag  viel Zeit hatten, wurde sogar Schoko- und Vanille-Pudding gekocht.

 

Unweit unseres letzten Lagerplatzes lockte ein schöner kleiner Sandstrand, aber mit eiskaltem Wasser.

 

 

Zurück aus der Wildnis verbrachten wir noch 3 Tage in Tasiilaq mit relaxen, einer kleinen Wanderung und auf Grund eines stürmischen Regentages mit Kartenspielen im Aufenthaltszelt. Für diesen Tag war eigentlich ein Ausflug zum Inlandeis geplant, aber die dafür erforderliche 3-stündige Bootsfahrt war wegen des Wetters nicht möglich.

Für den Abreisetag sah es zunächst auch nicht gut aus, doch der Sturm hatte sich dann doch noch gelegt, die Boote konnten fahren und der Nebel in Kulusuk hatte sich auch gelichtet, sodass der Flug nach Reykjavik stattfand.

 

 

Zurück auf dem Campingplatz in Reykjavik stürmten wir die Duschen (wurde Zeit nach 12 Tagen), danach ein leckeres aber teures Abendessen in der Stadt.

Nach einer kurzen Nacht wurden wir um 03:30 zum Flughafen abgeholt.

 

Fazit der Reise:    

Selten habe ich nach einer Reise so lange gebraucht um wieder in „unserer Welt“ anzukommen. Die Freiheit, die unendliche Weite, die Abwesenheit von Informationsflut und nicht zuletzt die Erfahrung mit einem tollen Team minimalistisch in grenzenloser Natur zu verbringen, haben bei mir einen tiefen, nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

 

 

Auch unser Gespräch mit Robert Peroni hat mich sehr nachdenklich gestimmt.

Ist unsere Lebensweise die einzig richtige, die man unbedingt anderen aufdrängen muss? Vielleicht wären die Menschen an der Ostküste ausgestorben, vielleicht  würden sie aber heute noch zufrieden leben wie vor 100 Jahren. Man weiß es nicht.

 

Wenn jemand Natur wirklich erleben und ohne Wenn und Aber „spüren“ will, bereit ist gewisse Anstrengungen auf sich zu nehmen und auf Komfort zu verzichten, ist er hier richtig.

 

 

Hier das Video der Reise